Warum ist der persönliche Abschied so wichtig?

Wir Menschen glauben nur, was wir sehen oder mit unseren Händen spüren. Darum ist es sehr wichtig, von einem verstorbenen Menschen persönlich Abschied zu nehmen. Wir haben drei Bilder eines Menschen: das Bild des Lebenden, das Bild des Kranken und das Bild des Verstorbenen. Wenn uns eines dieser Bilder fehlt, dann haben wir ein Problem damit, den Tod anzunehmen, geschweige denn zu akzeptieren. Vor einigen Jahren hatte ich die schwere Aufgabe einer Mutter mitzuteilen, dass sie von ihrem verunglückten und leider entstellten Sohn, nicht mehr persönlich Abschied nehmen kann. Sie musste ihn in Erinnerung behalten, wie sie ihn bei ihrem letzten Besuch gesehen hatte. Das Bild des Verstorbenen fehlte ihr gänzlich. Monate später hat sie mich angerufen und nachgefragt: "Sind Sie sicher, dass Sie damals meinen Sohn in den Sarg gelegt haben. Ich habe Alpträume, dass sich eine andere Person im Sarg befunden hat und nicht mein Sohn“. Ich konnte die Mutter insofern beruhigen, als dass ich ihr bestätigen konnte, dass es wirklich ihr Sohn war. Würde sie das letzte Bild ihres verstorbenen Sohnes in sich tragen, würde sie von solchen Träumen verschont bleiben. Die persönliche Abschiednahme ist für die Verarbeitung und die Trauerarbeit ein wichtiger Bestandteil (siehe auch Kapitel Thanatologie).